A A A

Bestrahlungsarten

Photonen

Die Photonenstrahlung gehört zu den elektromagnetischen Wellen ebenso wie Radio-Wellen, Mikrowellen, Licht und Röntgenstrahlung. Die Durchdringungskraft dieser Strahlung ist aber grösser und auch die deponierte Energie pro Absorbtionsprozess ist weit höher als bei den anderen aufgezählten elektromagnetischen Wellen.

Mindestens ebenso wichtig wie die hohe Durchdringungskraft dieser Strahlung ist aber der Umstand, dass im Gegensatz zur Röntgenstrahlung wo das Maximum der deponierten Dosis an der Hautoberfläche liegt, bei den hochenergetischen Photonen sich die Dosis mit zunehmender Eindringtiefe aufbauen muss. Von diesem Effekt konnte man erstmals beim Einsatz der Co-60 Geräte (Die Strahlung kam aus einer radioaktiven Quelle) profitieren. Das Dosismaximum lag bei diesen Geräten in einer Tiefe von circa 0.5 cm. Co-60 Geräte werden heute in der Schweiz praktisch nicht mehr eingesetzt.

Alle unsere Linearbeschleuniger haben zwei Photonenenergien mit 6 MV und 18 MV. Diese Strahlungsarten haben ihr Dosismaximum in circa 1.5 cm respektive in circa 3 cm.

Die hohe Durchdringungskraft der Photonenstrahlung erlaubt es, den Patienten aus verschiedenen Richtungen mit Stehfeldern zu bestrahlen. Da die Beschleuniger mit einem Multi Leaf Kollimators (MLC) ausgerüstet sind, ist in speziellen Fällen der Einsatz von dynamischen IMRT- oder von RapidArc-Feldern angebracht. Falls die Atembewegung der Patientin oder des Patienten zu einer unerwünschten Dosisbelastung von kritischen Organen führen würde, kann dies mit Gating verhindert werden. Kleine Bestrahlungsvolumina in der Lunge oder in der Leber behandeln wir mit einer – oder wenigen – hochdosierten Bestrahlungen. Die stereotaktischen Einstelltechnik macht dies möglich. Die verbesserte Bildgebung bei unseren Beschleunigern erlaubt in vielen Fällen eine bildgestützte Einstellung der Bestrahlung (IGRT: Image guided radiation therapy).

Stehfelder

Bestrahlung mit Stehfeldern


Die meisten Patienten bestrahlen wir aus verschiedenen Richtungen mit hochenergetischen Photonen. Unser Ziel ist es, überall im Bestrahlungsvolumen dieselbe Dosis zu erzeugen und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe möglichst zu schonen. Die Feldgrenzen sind für die verschiedenen Bestrahlungsrichtungen unterschiedlich und ergeben sich durch Einstellungen der Leafs des MLC.


Wir bestrahlen unsere Patienten vorwiegend mit einer isozentrischen Einstelltechnik. Das Zentrum des Zielvolumens ist dabei im Rotationspunkt der verschiedenen Bewegungungen des Beschleunigers. Nachdem ein Feld zu Ende bestrahlt wurde, fährt das Gerät in die nächste Position. Dabei werden die Richtungen, Feldgrösse, Leaf-Positionen etc. automatisch gemäss Plan eingestellt.

Therapieplan mit 5 Stehfeldern

IMRT - Intensitätsmodulierte Radiotherapie

(Am Beispiel einer Prostatabestrahlung)  

Die strahlentherapeutisch applizierbare Dosis ist immer durch die Toleranzdosis des umliegenden mitbestrahlten Normalgewebes begrenzt. Daher wird das bestrahlte Gebiet mittels MLC sehr genau an das Zielvolumen anpasst.

Komplexe Dosisverteilung durch Intensitätsmodulation

Eine noch bessere Anpassung der Bestrahlung an das Zielvolumen bei gleichzeitger Schonung der umliegenden Organe kann mit Modulation der Feldintensitäten erreicht werden: Die Intensität der Strahlung innerhalb eines Feldes ist dann nicht homogen, sondern variiert von Punkt zu Punkt. Beim abgebildeten Feld von vorne ist im Bereich des Rektums die Intensität reduziert. Die fehlende Energiedeposition im Zielvolumen wird durch höhere Intensitäten bei anderen Feldern wettgemacht. 

IMRT
Komplexe Dosisverteilung durch Intensitätsmodulation
 

Die technische Realisation von IMRT
Ein intensitätsmoduliertes Bestrahlungsfeld wird durch während der Bestrahlung über das Feld fahrenden Multileaf-Kollimatoren erzeugt. Kombiniert man mehrere derartige intensitätsmodulierte Felder aus verschiedenen Richtungen, so kann man homogene Dosisverteilungen für komplex geformte dreidimensionale Volumina erzeugen. Wir setzen die IMRT beispielsweise zur Bestrahlung des Prostatakarzinoms bei Patienten ein, die von einer Dosiseskalation profitieren. Hier kann man die Dosisverteilung sehr genau an das Zielvolumen anpassen und die angrenzenden empfindlichen Organe, wie Rektum und Blase, besser schonen als mit homogenen Feldern. Andere typische Indikationen sind Tumore im Abdominal- oder Kopf-Hals-Bereich.

IMRT– gezielt eingesetzt
Die IMRT ist allerdings nicht in allen Fällen der Bestrahlung mit homogenen Feldern überlegen und wird deshalb auch nur für den Fall eines deutlichen Vorteils eingesetzt. So ist die Dosisverteilung im Zielvolumen normalerweise weniger homogen und kann insbesondere bei Organbewegungen während der Bestrahlung deutlich vom Planungsziel abweichen. Weil viele verschiedene Einstrahlrichtungen notwendig sind, um die Dosisvorgaben zu erreichen, wird zudem im Allgemeinen mehr gesundes Gewebe mit niedriger Dosis bestrahlt als bei der Bestrahlung mit homogenen Feldern. Dieser Tatsache wird während der Therapieplanung im Einzelfall Rechnung getragen.

RapidArc

RapidArc, eine neue, schnelle und präzise Bestrahlungstechnik
(Am Beispiel einer Pankreasbestrahlung)

RapidArc ist eine neue Form der intensitäts-modulierten Strahlentherapie (IMRT). Sie ermöglicht es, in der Patientin oder im Patienten während einer einzigen Rotation des Bestrahlungsgeräts eine exakt dem Tumorvolumen angepasste Dosisverteilung zu erzeugen. Damit wird das den Tumor umgebende gesunde Gewebe optimal geschont. Erreicht wird dies durch die simultane dynamische Steuerung der Rotationsgeschwindigkeit, der Dosisrate und des Lamellenkollimators des Beschleunigers (MLC).

Ein Hauptvorteil der neuen Technik ist, neben der hohen Flexibilität und Präzision, die Tatsache, dass die gewünschte Strahlendosis gegenüber herkömmlichen Methoden in wesentlich kürzerer Zeit appliziert werden kann. Dies führt dazu, dass insbesondere in komplexen Situationen neben dem Komfort der Patientin oder des Patienten auch die Genauigkeit der Bestrahlung wesentlich verbessert werden kann, da die Beweglichkeit des Tumors bei einer kurzen Bestrahlungszeit besser kontrolliert werden kann.

Beim RapidArc-Pakreas-Therapieplan sind die beiden Nieren vom bestrahlten Volumen praktisch ausgenommen und das Rückenmark erhält nur eine geringe Dosis. Das eingezeichnete Zielvolumen wird dagegen sehr gut umschlossen und homogen mit hoher Dosis bestrahlt.

Gating

Atemgesteuerte Bestrahlung beim Mamma-Karzinom


Die postoperative Strahlentherapie der weiblichen Brust gehört heutzutage zur Standardbehandlung des Mamma-Karzinoms. Dabei wird die Mamma in der Regel über tangentiale Gegenfelder bestrahlt, damit Lunge und Herz der Patientinnen möglichst gut geschont werden können. Dennoch ist bei Bestrahlung der linken Mamma in manchen Fällen ein Teil des Herzens im bestrahlten Volumen, insbesondere wenn es vergrössert ist oder anatomisch dicht an der Brustwand anliegt. Zudem entfalten bestimmte bei der Therapie des Mamma-Karzinoms eingesetzte Chemotherapeutika eine kardiotoxische Wirkung. Deshalb ist in diesen Fällen in der Radio-Onkologie des Lindenhofspitals die atemgesteuerte Bestrahlung die Methode erster Wahl, da sie eine markante Reduktion der kardialen Belastung ermöglicht.

Herz- und Lungenschonung
Die atemgesteuerte Bestrahlung nutzt die Tatsache, dass durch die Ausdehnung der Lunge in Inspiration der Abstand zwischen Zielvolumen (Mamma) und Herz markant vergrössert und das Herz gegenüber der Mamma gleichzeitig nach caudal verschoben wird. Dadurch wird das Herz vollständig aus dem bestrahlten Volumen entfernt und optimal geschont. Gleichzeitig lässt sich in Inspiration die Lungenbelastung vermindern, da der Hochdosisbereich wegen der Ausdehnung der Lunge weniger Lungenzellen umfasst als in Exspiration oder in Atem-Mittellage. Diese Effekte führen zu einer signifikanten Verminderung des Risikos der betreffenden strahlenbedingten Nebenwirkungen (kardiale Beschwerden, Pneumonitis etc.).

Atemsteuerung («Respiratory Gating») des Linearbeschleunigers
Zur Kontrolle der Atemlage der Patientinnen und Mit dem RPM-System lässt sich der Bereich des Atemzyklus, während dessen der Beschleuniger Strahlung abgeben soll, genau festlegen. Bei der Mamma-Bestrahlung liegt dieser Bereich in der Inspirationsphase. Der Beschleuniger wird nun direkt vom RPM-System so angesteuert, dass nur dann Strahlung produziert wird, wenn sich die Atemamplitude der Patientin im erlaubten Bereich befindet. Zur Kontrolle wird bereits vor der Bestrahlung mittels Feldkontrollaufnahmen verifiziert, dass die Durchführung der Bestrahlung der Planung und Simulation der Therapie entspricht.

Virtuelle Immobilisierung
Bei normaler Atmung in Liegeposition bewegt sich die Brust um bis zu 1 cm in antero-posteriorer Richtung. Bei normaler Planung muss dieser Bewegungsunsicherheit durch die Wahl von geeigneten Sicherheitsabständen Rechnung getragen werden, was in der Regel zu grösseren Bestrahlungsfeldern und dadurch grösseren bestrahlten Volumina führt. Durch Gating des Beschleunigers in einem bestimmten Bereich der Atemkurve mit einer minimalen, durch den Gating-Bereich festgelegten restlichen Positionierungsunsicherheit, kann somit der Effekt einer Immobilisierung des Zielvolumens während der Bestrahlung erzielt werden. Dieser Effekt lässt sich bei der Bestrahlung von weiteren, durch die Atmung beeinflussten Tumorlokalisationen (Lunge, Leber, Pankreas etc.) zu einer in diesen Fällen besonders vorteilhaften Reduktion der bestrahlten Volumina ausnutzen.

Stereotaxie

Extracranielle stereotaktische Radiotherapie - ESRT


Hochpräzisionsbestrahlung von Lungen- und Lebertumoren
Meistens wird eine Strahlentherapie als fraktionierte Behandlung über mehrere Wochen durchgeführt. Strahlenbiologisch nutzt man dabei aus, dass sich das gesunde Gewebe von Tag zu Tag von der Bestrahlung erholen kann, während Tumorgewebe nicht über eine solche Reparaturkapazität verfügt und daher im Verlauf abstirbt. Stereotaktische Bestrahlungen werden demgegenüber häufig mit sehr hohen Einzeldosen (18 – 30 Gy/Fraktion) in einer oder wenigen (z.B. 3–6) Sitzungen durchgeführt. Ziel dieses Konzeptes ist eine vollständige Nekrose des Gewebes im Hochdosisbereich. Voraussetzung eines solchen Ansatzes ist eine sehr hohe Präzision der Bestrahlung, da das Tumorgewebe genau im Hochdosisareal liegen muss, während das gesunde Normalgewebe ebenso genau davon ausgeschlossen werden soll. Etabliert hat sich diese Methode seit vielen Jahren bei der Behandlung von gut- und bösartigen Hirntumoren und -metastasen, wo sehr gute lokale Tumorkontrollraten erreicht werden

Indikationen für die ESRT
Strahlenbiologisch kann dieses Hochdosiskonzept auch auf extracranielle Tumoren, wie z.B. in Lunge oder Leber, übertragen werden. Denn die tumorbiologischen Eigenschaften einer Metastase, z.B. eines kolorektalen Karzinoms, innerhalb oder ausserhalb des Kopfes unterscheiden sich nicht wesentlich. Gleiches trifft auch auf Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC) zu, deren Metastasen im Hirn seit langem erfolgreich stereotaktisch bestrahlt werden.

Anspruchsvolle Technik
Die erforderliche Präzision war im Hirn durch die Möglichkeit der Fixierung der Schädelkalotte und die fehlende Eigenbeweglichkeit cerebraler Tumore relativ leicht zu erreichen. Demgegenüber ist die Fixierung des Rumpfes weitaus schwieriger. Zudem müssen mögliche Atembewegungen von Tumoren in der Lunge berücksichtigt werden. Günstig für eine Hochdosisbestrahlung extracraniellerTumore ist, dass sowohl Lungen- als auch Lebergewebe sehr gut regenerieren können und sogar ein kalkulierbarer Gewebeverlust ohne Schaden kompensiert werden kann, wie die chirurgischen Daten zeigen.

Die technische Entwicklung der Strahlentherapiegeräte ermöglicht es nun, z.B. Tumore in Lunge und Leber vor jeder Bestrahlung auf dem Bestrahlungstisch in CT-Qualität zu orten und die Behandlung so an den Soll-Punkt zu dirigieren. Damit können Ungenauigkeiten bei der Fixierung des Patienten korrigiert werden. Besondere Atempressen oder eine atemgetriggerte Bestrahlung ermöglichen, die Bestrahlung an die Atembeweglichkeit anzupassen oder diese beträchtlich zu reduzieren.

Klinische Erfahrungen
In Europa, Japan und den USA wird die stereotaktische Bestrahlung von Tumoren in der Lunge und Leber seit mehr als 10 Jahren erfolgreich angewendet. Hier werden vornehmlich NSCLC bei wegen Alter oder Begleiterkrankungen medizinisch inoperablen Patienten sowie Lungen- und Lebermetastasen stereotaktisch bestrahlt. Während die Lebenserwartung der so behandelten Patienten vor allem von ihren Begleiterkrankungen sowie Auswahl und Staging der Tumorerkrankung abhängt, lassen sich die bestrahlten Tumoren fast immer – in 80%–95% der Fälle – lokal kontrollieren [Wulf et al]. In Japan, wo manche Patienten mit kleinen NSCLC im Stadium I die Operation zugunsten der Bestrahlung ablehnen, werden gleiche lokale Tumorkontrollraten und Überlebenswahrscheinlichkeiten wie nach Chirurgie erreicht [Onishi et al]. Bei gewissenhafter Auswahl der Patienten – Hohlorgane wie Trachea, Ösophagus, Darm oder wichtige Nerven dürfen nicht im Hochdosisbereich liegen – sowie wegen des kleinen Bestrahlungsvolumens und der Toleranz der Lunge und Leber sind die Nebenwirkungen äusserst gering.

Die ESRT am Standort Lindenhof
In der Lindenhofgruppe am Standort Lindenhof wird diese Methode nun seit 2007(erstmals in der Schweiz) angeboten, nachdem die technischen Voraussetzungen hinsichtlich stabiler Patientenlagerung, Bestrahlungsplanung sowie Zielpunktkontrolle am Bestrahlungsgerät mit «Cone Beam CT» geschaffen worden sind. Klinisch kann dabei auf die Erfahrung der aus der Universitätsklinik Würzburg stammenden Radio-Onkologen der Lindenhofgruppe zurückgegriffen werden, welche die extracraniale stereotaktische Radiotherapie seit 1997 bei mehr als 200 Tumoren angewendet haben.

Literatur
Wulf J., Haedinger U., Oppitz U. et al. Stereotactic radiotherapy of primary lung cancer and pulmonary metastases: a non-invasive treatment approach in medically inoperable patients. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2004; 60:186–196.

Onishi H., Araki T., Shirato H. et al.Stereotactic hypofractionated high-dose irradiation for stage I Non-Small Cell Lung Carcinoma. Cancer 2004; 101:1623–1631.

(IGRT: Image Guided Radiation Therapy)

Bild gestützte Radiotherapie - IGRT


Üblicherweise werden in der Radio-Onkologie die Patienten am Beschleuniger aufgrund von Markierungen an der Patientenoberfläche positioniert. Die korrekte Lage des Bestrahlungsfeldes bei inneren Organen kann mit den üblichen Mitteln oft nur relativ zu dichten Strukturen wie Knochen geprüft werden. Mögliche Bewegungen dieser Organe, z.B. durch Atmung oder sich ändernde Füllungszustände, werden nicht erkannt.

Neue Möglichkeiten durch verbesserte Bildgebung
Die Bestrahlungsgeräte neuster Generation haben deutlich verbesserte Möglichkeiten, um während der Bestrahlung Kontrollaufnahmen zu machen oder ein sogenanntes Cone Beam CT zu erstellen. Diese Möglichkeiten können wir nutzen, um die Bestrahlung nicht mehr primär an aussen am Körper angebrachen Markierungen zu orientieren, sondern das Gerät direkt auf die zu bestrahlenden Organe zu justieren.

Millimetergenaue Bestrahlung dank Goldmarker
Neben der radikalen Prostatektomie hat sich in den letzten zwanzig Jahren die perkutane Strahlentherapie des Prostatakarzinoms als gleichwertige Therapieoption etabliert. Massgeblich dazu beigetragen hat der Ersatz der Cobaltbestrahlung durch modernere und genauere Linearbeschleuniger sowie die Entwicklung der Computertomografie und deren Einsatz zur CT- und rechnergestützten 3D-Bestrahlungsplanung. Diese Neuerungen ermöglichen eine verbesserte Schonung der umliegenden Organe (insbesondere Rektum und Harnblase) sowie die Applikation von deutlich höheren Dosen mit geringeren Früh- und Spätnebenwirkungen.
Bei der Bestrahlung kleiner Volumina muss eine möglichst genaue Patientenlagerung gewährleistet sein, damit der Tumor einerseits immer vollständig erfasst und andererseits andere Risikoorgane optimal geschont werden. Orientierte man sich früher vor allem an den knöchernen Beckenstrukturen, so weiss man heute, dass sich sogar die scheinbar am Beckenboden gut zwischen Rektum und Harnblase fixierte Prostata in allen Ebenen um bis zu 2 cm zwischen den täglichen Fraktionen verschieben kann. .

Elektronen

Bestrahlung mit hochenergetischen Elektronen

Wir bestrahlen die meisten Patienten mit Photonen. Unsere Linearbeschleuniger bieten aber auch die Möglichkeit, die Patienten mit Elektronen zu bestrahlen. Hierzu werden die beschleunigten Elektronen nicht wie im Photonenbetrieb auf ein Target geschossen, sondern direkt auf das Zielvolumen gelenkt. Die Streueigenschaften der Elektronen unterscheiden sich von jenen der Photonen. Um bei den Elektronen eine homogene Dosisverteilung zu erreichen, muss zur Feldbegrenzung ein Tubus eingesetzt werden. Die Elektronenstrahlen haben je nach Energie eine begrenzte Eindringtiefe in Gewebe von einigen Centimetern.

Die Hautdosis ist aber deutlich höher als bei Photonen, weshalb Elektronen relativ selten zum Einsatz kommen. Regelmässig setzen wir Elektronen für eine Aufsättigung der Dosis im Bereich der Operationsnarbe bei Brustkrebspatientinnen ein. Auch gewisse Lymphabflussgebiete kann man mit Elektronenfeldern behandeln. Diese Anwendung tritt aber immer mehr in den Hintergrund, weil wir mit RapidArc die Möglichkeit haben, Lymphabflussgebiete in das Hauptvolumen zu integrieren.

Konv. Röntgen

Therapie mit Röntgenstrahlen

Bereits kurze Zeit nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen (1895, Wilhelm Conrad Röntgen) wurden erste Tumorpatienten mit dieser Strahlung behandelt. Allerdings konnte die Röhrenspannung nicht soweit erhöht werden, dass tiefer liegende Tumore mit Erfolg behandelt werden konnten. Auch heute wird diese Strahlung für oberflächennahe Zielvolumina mit grossem Erfolg eingesetzt. Die Radio-Onkologie Lindenhof konnte 2010 ihr altes konventionelles Röntgen (RT 100 von Philips) durch ein Gerät neuster Generation (Gulmay, xstrahl 100) ersetzen.

Bei unserem Gerät beträgt die maximale anlegbare Spannung 100 kV (100'000 V). Die aus der Glühkathode austretenden Elektronen werden durch die angelegte Spannung beschleunigt und nehmen entsprechend Energie auf (100 keV bezeichnet die Energie, die ein Elektron bekommt, wenn es 100 kV Spannung durchläuft). Beim aufprallen auf die Anode wird diese Energie in Röntgenstrahlung umgewandelt.

Die Tiefendosis hängt nicht nur von der angelegten Spannung, sondern auch noch von der Filterung der Strahlung ab (Die Strahlenqualität wird deshalb manchmal auch in Halbwertsdicken Aluminium angegeben). Will man im Gewebe zwischen 80% und 100% der eingestrahlten Dosis deponieren, so ist man bei 30 kV auf die ersten 4 mm und bei 100 kV auf die ersten 11 mm Gewebe beschränkt.

Brachytherapie

Therapie mit radioaktiven Quellen

In einigen Fällen ist es günstiger, einen Tumor vom Körperinneren her zu bestrahlen. Dies gilt vor allem dort, wo man leicht in eine Körperhöhle vordringen kann, oder wo man ohne grosse Operation an den Tumor herankommt. Für solche Bestrahlungen sind in den letzten Jahren sogenannte High Dose Rate Afterloading (HDR)-Geräte entwickelt worden.

Eine stark strahlende Quelle (Ir-192) befindet sich im Ruhezustand in einem gut abgeschirmten Gefäss im Kopf des HDR-Gerätes. Die Quelle befindet sich an der Spitze eines Führungsdrahtes und hat einen Durchmesser von 0.9 mm und eine Länge von 3.5 mm. Der Führungsdraht ist hochflexibel und kann die Quelle durch dünne Katheter in Körperhöhlen oder in Applikationsnadeln vorschieben. Für den Einsatz am Patienten werden ein oder mehrere Katheter ans Gerät angeschlossen. Ferngesteuert fährt der Führungsdraht die Quelle in genau vorgegebene Halte-Positionen.

Häufig wird die Brachytherapie bei gynäkologischen Tumoren eingesetzt. Die Quelle fährt hierbei in einen Hohlstift in der Mitte eines Vaginal-Applikators. Vom Comuter ferngesteuert verbleibt die Quelle die vorgegebene Zeit an den Haltepunkten stehen.

Im Planungs-Programm werden die Haltezeiten so berechnet, dass an den vorgegebenen Dosierungspunkten überall dieselbe Dosis erzeugt wird. Typischerweise wird die vaginale Bestrahlung in vier Fraktionen innerhalb von etwa drei Wochen durchgeführt.

Die Brachytherapie wird im Lindenhof manchmal auch zur Bestrahlung der Speiseröhre und der Atmungswege eingesetzt.

Prostata Seeds

Implantation von Jod-Seeds in die Prostata

Langzeitstudien belegen, dass beim Prostatakarzinom mehrere Behandlungsmöglichkeiten bezüglich Heilung gleichwertig nebeneinander stehen. Beim auf die Prostata beschränkten Karzinom stehen als kurative Therapien die radikale Prostatektomie, die perkutane Radiotherapie und die Prostata-Seed-Implantation (PSI) zur Verfügung. Die Prostata-Seed-Implantation wird auch «LDR-Brachytherapie der Prostata» genannt. LDR steht für «low dose rate», also für eine niedrige Dosisrate. Bei der LDR-Brachytherapie werden schwach radioaktive Quellen in das zu behandelnde Organ eingebracht. Die Strahlung pro Zeit ist gering, die Quellen bleiben permanent in der Prostata. Die therapeutisch aktive Zeit beträgt etwa 8 Monate.

Interdisziplinäre Teamarbeit
Um möglichst zielgenau bestrahlen zu können, werden dem Patienten in einer zwei- bis dreistündigen Operation (unter Allgemeinanästhesie) schwach radioaktive Metallstiftchen eingepflanzt. Diese so genannten Seeds – reiskornkleine und mit Titan ummantelte Kapseln, die das radioaktive Nuklid Jod-125 enthalten – führt der Urologe ultraschallgesteuert über den Beckenboden in die Prostata ein. Die Operation ist eine interdisziplinäre Teamarbeit. Das Operationsteam besteht u.a. aus einem Urologen, einem Radio-Onkologen und einem Medizinphysiker. Eine rektal eingeführte Ultraschallsonde ist an einer Stepper-Einheit montiert. Auf Grund der Ultraschallaufnahmen kann ein 3D-Modell der Prostata erstellt werden, das dem Medizinphysiker als Grundlage für den Bestrahlungsplan dient.

Adaptive Echtzeit-Implantation
Gemäss dem vom Medizinphysiker berechneten Plan, der die optimale Lage der Seeds vorgibt, werden Hohlnadeln in die Prostata eingeführt. Über diese Hohlnadeln werden die Seeds an den berechneten Stellen abgelegt. Jede Abweichung vom idealen Plan wird unmittelbar berücksichtigt (Echtzeitkontrolle) und korrigiert. Je nach Grösse der Prostata werden bei einem Eingriff 40 bis 80 Seeds implantiert.

Nur selten Langzeitfolgen
Nach einer PSI treten chronische Langzeitfolgen nur selten auf. Im Vergleich zur radikalen Prostatektomie sind die Inkontinenz- und Impotenzraten deutlich geringer. Nach einer Seed-Implantation beträgt das Impotenzrisiko nur rund 30%, das Inkontinenzrisiko liegt unter 1%. Die deutlich niedrigeren Impotenz- und Inkontinenzraten sind die Hauptargumente der Patienten, die sich für die LDR-Brachytherapie entscheiden. Wieso wird angesichts der genannten Vorteile nicht jedem Patienten mit Prostatakarzinom eine PSI empfohlen? Lange nicht jeder Patient ist für diese elegante Methode geeignet. Bei vielen ist die Krankheit lokal bereits zu fortgeschritten oder es liegt eine deutliche Prostatavergrösserung mit obstruktiver Symptomatik vor. In diesen Fällen steht die radikale Prostatektomie oder die perkutane Radiotherapie zur Wahl.


Weitere Informationen
www.prostata-brachytherapie.ch

Intraoperative Radiotherapie (IORT)

In enger Zusammenarbeit zwischen den Gynäkologen und Radio-Onkologen des Brustzentrums am Lindenhof- und Engeriedspital wird, wenn sinnvoll und möglich, die sogenannte intraoperative Radiotherapie (IORT) bei Patientinnen mit Brustkrebs (Mammakarzinom) eingesetzt.

Die heutige Therapie bei Brustkrebs besteht in der Regel aus der Operation, der Behandlung mit Medikamenten und der Strahlentherapie. Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der brusterhaltenden Behandlung von Brustkrebs mit dem Ziel, nach operativer Tumorentfernung noch verbliebene Tumorzellen zu zerstören und Rückfälle zu verhindern. Üblicherweise wird mit sogenannten Linearbeschleunigern die Brustdrüse über einen Zeitraum von 5 Wochen fünfmal pro Woche bestrahlt. Anschliessend wird das Tumorbett (die Stelle, an welcher der Tumor vorher war) noch fünf- bis achtmal bestrahlt (sogenannter Boost).

Bei der intraoperativen Radiotherapie erfolgt die Bestrahlung direkt nach der Entfernung des Krebsherdes, noch während der Operation. Dabei wird das Tumorbett von innen ganz gezielt ohne Verzögerung bestrahlt. Diese Bestrahlung ersetzt den herkömmlichen Boost und verkürzt die gesamte Strahlentherapie um 5 bis 8 Tage. Mehr als 10 Jahre Erfahrung mit dieser Methode zeigen, dass die Rückfallrate gegenüber der konventionellen Bestrahlung tendenziell weiter verringert werden kann.

Die IORT-Anwendung
Der Tumor wird operativ entfernt. Während der Operation, nach Entfernung des Tumors, legen Radioonkologe und Gynäkologe gemeinsam das zu bestrahlende Gebiet fest. Dann wird am Bestrahlungsgerät ein sogenannter Applikator passend zur Grösse des entfernten Gewebestücks angedockt.

Der Radioonkologe positioniert den Applikator in den Hohlraum, der durch die Entfernung des Tumors entstanden ist. Das Brustdrüsengewebe wird um den Applikator herum gerafft und mit Nähten adaptiert.

Danach beginnt die niederenergetische Bestrahlung, welche in der Regel 20 bis 30 Minuten dauert. Die Patientin bleibt in dieser Zeit in Narkose und wird vom Anästhesiearzt kontinuierlich überwacht. Der Radioonkologe und der Medizinphysiker überwachen die korrekte Bestrahlung.

Nach Beendigung der Bestrahlung wird der Applikator wieder entfernt und die Operation wie geplant zu Ende geführt.

 
Vorteile der IORT
Einer der Vorteile der intraoperativen Strahlentherapie ist, dass auf diese Weise die Bestrahlungszeit der anschliessenden äusseren (sog. perkutanen) Strahlen-therapie um knapp zwei Wochen gesenkt werden kann. Die Dauer der dann durchzuführenden Strahlentherapie beträgt 5 Wochen. Über die im Allgemeinen gut verträgliche äussere Bestrahlung wird die Patientin in einem Gespräch wenige Wochen nach der Operation ausführlich informiert werden.

Ein weiterer Vorteil der intraoperativen Strahlentherapie ist, dass eine mögliche Spätfolge der Bestrahlung von aussen, Hautveränderungen, die wie Besenreiser aussehen (sog. Teleangiektasien) wesentlich seltener auftreten als bei der Bestrahlung von aussen.

Die Patientinnen werden vor der Operation in einem ausführlichen Gespräch mit dem Radioonkologen über den Ablauf, Vorteile und Risiken der IORT aufgeklärt. Zur Erfassung von eventuellen Nebenwirkungen sind Nachkontrollen in der Radioonkologie notwendig.

 
Bei welcher Patientin kann die IORT eingesetzt werden?
Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Für jede Patientin wird das gemeinsame Vorgehen im interdisziplinären
    Tumorboard des Brustzentrums zwischen Pathologen, Gynäkologen, Medizinischen
    Onkologen und Radioonkologen gemeinsam festgelegt.
  •  Es sollte kein duktales Carcinoma in situ (DCIS) vorhanden sein
  • Der Tumor sollte kleiner als 3 cm in Durchmesser sein
  • Der Tumor darf nicht zu nah an die Haut oder die Brustwand heranreichen
  •  Die intraoperativen Schnittränder dürfen kein Tumorgewebe mehr aufweisen
    (Schnellschnitt)
  • Die Patientin muss einverstanden sein mit der späteren äusseren Strahlentherapie
    In besonderen Situationen kann die intraoperative Bestrahlung die gesamte äussere
    6- bis 7-wöchige Bestrahlung ersetzen. Das Vorgehen muss in jedem Fall individuell
    mit der Patientin auf der Radio-Onkologie besprochen werden.

Ärzteliste

  • Dr. sc. nat. Calle Carlos
  • Dr. rer. nat. Münch Karin
  • Dr. phil. nat. Neuenschwander Hans
  • Dr. med. Notter Markus
  • Dr. med. Thöni Armin F.
  • PD Dr. med. Oppitz Ulrich
  • Dr. med. Vock Wissmeyer Jacqueline
  • PD Dr. med. Wulf Jörn

Engeried
Riedweg 15
3012 Bern
Tel. +41 31 309 91 11 
Fax +41 31 309 98 44
engeried@lindenhofgruppe.ch

Lindenhof
Bremgartenstrasse 117
Postfach, 3001 Bern
Tel. +41 31 300 88 11
Fax +41 31 300 80 57
lindenhof@lindenhofgruppe.ch

Sonnenhof
Buchserstrasse 30
3006 Bern
Tel. +41 31 358 11 11
Fax +41 31 358 19 01
sonnenhof@lindenhofgruppe.ch

 

Impressum  |  Copyright © Lindenhofgruppe