Die immer wichtigere Rolle der IT im Spital

Nationale Vorgaben für die elektronische Vernetzung aller Akteure

Die Managed-Care-Vorlage aus dem Jahr 2012 hatte zum Ziel, einen Rahmen zur Koordination der Gesundheitsakteure zu schaffen. Als Teil der Agenda «Gesundheit2020» haben Bund und Kantone unter dem Titel «Koordinierte Versorgung» das Thema erneut aufgegriffen.

Die gesundheitliche Versorgung muss sich wandeln, indem die Leistungserbringer besser koordiniert und Informationstechnologien (eHealth) gezielt und verbindend eingesetzt werden. Mittels eHealth-Instrumenten wird die Versorgungsqualität und die Patientensicherheit verbessert, indem alle relevanten Informationen jederzeit und standortunabhängig verfügbar sind.

Dazu wurden strategische Zielsetzungen definiert: Mit der Annahme des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPDG) im Jahr 2015 wird auch die Lindenhofgruppe verpflichtet, ab 2017 bis spätestens 2020 die Patientendossiers stationärer Patienten in elektronische Patientendossiers zu überführen und zu verwalten. Weiter ist eine elektronische Hinterlegung von Medikamenteninformationen (eMedikation) für Ärzte, Apotheken, Spitäler und andere Akteure zu realisieren. Die digitale Unterstützung des Behandlungsprozesses soll auch über Institutionsgrenzen hinweg gefördert werden (nachsorgende Prozesse, integrierte Versorgungsprozesse).

Dezentrale Zentren – Vernetzung als Chance

 

Zusammenspiel verschiedener Systeme, Techniken und Organisationen

Unabhängig von den kantonalen und den nationalen Strategien spielt die rollenbasierte Bereitstellung von Informationen entlang des gesamten Behandlungsprozesses auch innerhalb der Lindenhofgruppe eine immer zentralere Rolle.

Dabei fallen Behandlungsdaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten in unterschiedlichen Systemen an verschiedenen Standorten oder Organisationseinheiten an. Ohne eine übergeordnete elektronische Plattform ist es nicht möglich, diese wichtigen Daten zeitnah und rollengerecht bereitzustellen. In vielen Gesundheitsinstitutionen, so auch in der Lindenhofgruppe, wurde deshalb bereits in den letzten Jahren viel Energie in den Aufbau und in die Bereitstellung solcher Systeme investiert. Um den bestehenden und auch den künftigen Anforderungen seitens der Behandelnden, der Regulationsbehörden (Elektronisches Patientendossier [EPDG], Datenbereitstellung für Leistungsaufträge) und nicht zuletzt auch seitens der Patienten gerecht werden zu können, sind auch in Zukunft erhebliche Anstrengungen erforderlich.

Klinikinformationssystem (KISIM): Sammel- und Koordinationsstelle

In der Lindenhofgruppe übernimmt das gruppenweite Klinikinformationssystem KISIM eine wichtige Sammel- und Koordinationsfunktion für die elektronischen Behandlungsdaten. Es ermöglicht einen rollengerechten Portalzugang zu Systemen und Daten unterschiedlicher Herkunft wie bspw. dem Radiologie-Informationssystem RIS, dem Radiologie- Informationssystem PACS (Bilddatenarchivierungs- und Kommunikationssystem) und den Laborsystemen (LIS).

Mit Blick auf das elektronische Patientendossier (EPDG) und auf die Vorschriften zur Anbindung an ein nationales elektronisches Patientendossier sowie zur Abdeckung von gesetzlichen Aufbewahrungsauflagen für Patientendaten ist das Klinikinformationssystem (KISIM) technisch eng mit einem elektronischen Universalarchiv gekoppelt.

Seit in der Lindenhofgruppe die Pflegedokumentation im interprofessionellen, elektronischen Patientendossier erfasst wird, konnte die Qualität der Behandlungsprozesse weiter verbessert und die Patientensicherheit erhöht werden. Die Informationen können in einheitlicher und gebündelter Form jederzeit von jeder in die Behandlung einbezogenen Fachperson eingesehen werden. Doppelspurigkeiten, Missverständnisse und damit auch Fehler werden auf ein Minimum reduziert.

Ortsunabhängige Einsicht Patientendaten auf einem Endgerät

Unseren Beleg- und Dienstärzten werden sogenannte Fernzugänge zur Verfügung gestellt, sodass sie bei Bedarf auch standortunabhängig die erforderlichen Daten ihrer Patienten einsehen können. Die Anforderungen in Richtung mobil verfügbarer Datenpräsentation werden auch in den nächsten Jahren zunehmen, sodass mittelfristig auf der Patientenvisite die Daten für den behandelnden Arzt auf mobilen Endgeräten verfügbar sind.

Nutzung der Daten entlang des gesamten Behandlungspfades

Elektronische Dokumentationssysteme werden zunehmend auch in den Aufwachräumen, der Intensivstation oder in den interventionellen Zentren eingesetzt.

Mittels einer Monitoring-Integration können in der Lindenhofgruppe die Daten von Monitoringsystemen (Blutdruck, Herzfrequenzen, Atemparameter, etc.) bereits automatisch an das Klinikinformationssystem (KISIM) übertragen werden. Diese innovativen Techniken ermöglichen zunehmend den durchgängigen Einsatz des KISIM, sogar auf der Intensivstation, auf der Intermediate Care (IMC) und können auch für die postoperativen Überwachungsphasen genutzt werden. Dadurch, dass auch postoperative Verordnungen im KISIM gemacht werden oder dass bei den internen Verlegungen zwischen den oben genannten Stationen keine Systemwechsel mehr notwendig sind, können bereits viele Medienbrüche eliminiert und die Informationen effizient genutzt werden.

Vorteile IT-Vernetzungen

Die ortsunabhängige Einsichtnahme in Patientendaten erhöht die Effizienz und fördert zeitgleich auch die Zufriedenheit von Ärzten und Pflegenden. In naher Zukunft werden Ärzte die Befunde mit ihren Patienten direkt auf mobilen Endgeräten anschauen und besprechen können.

Mit der zunehmenden papierlosen Dokumentation, insbesondere in den Bereichen Notfall, Intensivstation, Radiologie (Befundberichte) sowie auch im Bereich Operations- und Austrittsberichte, ergeben sich weitere Nutzungsmöglichkeiten für die rasche elektronische Verfügbarkeit der Daten und Berichte für die zuweisenden Ärzte, die in die Behandlung involvierten und die nachsorgenden Ärzte.

Beat Jordi, Leiter Medizinalinformatik der Lindenhofgruppe