In-vitro-Fertilisation (IVF): Höchst präzise Arbeitsweise mit individueller, einfühlsamer Betreuung

Eine konzentrierte und höchst präzise Arbeitsweise bei gleichzeitiger individueller und einfühlsamer Betreuung ist in der Abteilung In-vitro-Fertilisation von zentraler Bedeutung. Die «Abteilung für Kinderwunsch» besteht bereits seit 1997 am Lindenhofspital. Bauliche Massnahmen und die Zentralisierung aller IVF-relevanten Schritte in einer Abteilung haben sich bewährt.

Bereits seit dem Jahr 1997 besteht am Lindenhofspital die «Abteilung für Kinderwunsch». Sie setzt sich zum heutigen Zeitpunkt aus einer Reproduktionsmedizinerin und fünf -medizinern, einer Embryologin, zwei biomedizinischen Analytikerinnen und vier Pflegefachfrauen zusammen. 2013 erhielt das IVF-Team die Gelegenheit, das Konzept neuen Gegebenheiten anzupassen, um dem wachstumsbedingten Platzmangel zu begegnen und die Infrastruktur zu modernisieren. Diese Chance konnte genutzt werden, um die Abteilung nach neusten Erkenntnissen, Richtlinien und Anforderungen komplett neu aufzubauen. Dabei wurden zum Wohle der Patienten neben den geplanten Arbeitsprozessoptimierungen auch die Bedürfnisse der zuweisenden Ärztinnen und Ärzte sowie der Mitarbeitenden berücksichtigt. Die Sicherstellung der benötigten Privatsphäre für die Paare war ein weiteres grosses Anliegen. Dies konnte denn auch im Detail umgesetzt werden. Zunächst wurden alle IVF-relevanten Schritte in unserer Abteilung zentralisiert und so eine Klinik-in-Klinik-Atmosphäre geschaffen. Von der Patientenaufnahme über die Eizellentnahme, gefolgt von sämtlichen befruchtungsrelevanten Schritten bis hin zum Embryo-Transfer, finden nun alle Prozesse in der IVF-Abteilung statt. Dies hat den Vorteil, dass sich unsere Paare während der gesamten Beratung und Behandlungsphase nur noch an einen Ort begeben müssen. Im Weiteren war es uns besonders wichtig, einfache, aber zweckmässige Patienten-Einzelzimmer mit einer freundlichen und angenehmen Atmosphäre zu schaffen. So steht für jedes Paar auch ein Rückzugsraum bereit. Den Ärzten und dem IVF-Laborteam bieten die Einzelzimmer eine wichtige Möglichkeit, ausführliche und private Gespräche mit den jeweiligen Paaren zu führen.

Kinderwunsch Beratung

Altersabhängigkeit der Schwangerschaftsrate

Grafik Altersabhängigkeit der Schwangerschaftsrate

IVF Lindenhof

Pro Jahr werden etwa 250 Spermienaufbereitungen für Inseminationen, 400 Follikelpunktionen, etwa 500 Auftauzyklen und 900 Embryotransfers durchgeführt. Die Schwangerschaftsrate im IVF Lindenhof befindet sich auf konstant hohem Niveau und liegt seit Jahren etwa 5–10 % über dem Schweizer Durchschnitt.

Wichtig ist, dass die Kommunikation und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient gestärkt werden. Jedes Paar wird ausschliesslich durch den Arzt seiner Wahl betreut. Die meisten der vorbereitenden Behandlungsschritte, wie z. B. die ausführlichen Gespräche, zahlreichen Ultraschalluntersuchungen, Blutentnahmen etc., finden in den privaten Praxisräumen des jeweiligen Arztes statt. In der Regel wird das IVF-Laborteam schon früh in den Behandlungsprozess involviert, indem beispielsweise bereits Spermienuntersuchungen vom Team durchgeführt werden.

Die Paare schätzen dabei die hohe Professionalität, die gewährleistete Privatsphäre sowie die reibungslose Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Wenn erste, milde Versuche zur Erlangung einer Schwangerschaft erfolglos bleiben oder aus verschiedenen Indikationen gar nicht erst erfolgsversprechend sind, wird das Paar zur eigentlichen In-vitro-Fertilisation begleitet. Nach intensiven Aufklärungsgesprächen mit dem behandelnden Arzt wird ein Termin festgelegt, an dem das Paar (respektive die Frau) mit einer hormonellen Stimulation beginnt. Der genaue Zeitpunkt der Follikelpunktion zur Eizellgewinnung wird vom Arzt individuell aufgrund der Entwicklung der verschiedenen Follikel in Kombination mit den ermittelten Hormonwerten bestimmt.

Ab diesem Zeitpunkt kommt auch die reibungslose Vernetzung mit anderen Abteilungen des Lindenhofspitals zum Zuge. Zwar werden die Follikelpunktionen im eigenen Operationssaal der IVF-Abteilung durchgeführt, die Patientinnen werden aber durch eine Anästhesiepflege aus dem OP-Team des Lindenhofspitals betreut und mit Medikamenten versorgt, um den Eingriff so sicher und angenehm wie möglich zu gestalten. Da diese Eingriffe im nüchternen Zustand durchgeführt werden, stellt das Küchenpersonal vom Lindenhofspital für die IVF-Patienten Frühstück und frischen Kaffee oder Tee zur Verfügung. Die Gärtnerei der Lindenhofgruppe liefert regelmässig frische Blumen, Pflanzen und saisonabhängige kleine Dekorationen, um unseren Patientenzimmern einen gemütlichen und liebevollen Eindruck zu verleihen. Für das saubere und gepflegte Erscheinungsbild sorgt die Reinigungsequipe und die Wäscherei-Mitarbeitenden der Lindenhofgruppe, die uns mit frischer Wäsche und Bettwaren versorgen. Sämtliches Sterilgut wird durch die Zentralsterilisation vom Lindenhofspital fachmännisch gereinigt, aufbereitet, frisch verpackt und wieder bereitgestellt. Die Summe all dieser wertvollen interdisziplinären und eng vernetzten Zusammenarbeit hilft dem IVF-Team, den Blick voll und ganz den Patienten und dem Behandlungserfolg zu widmen. Eine nicht unbedeutende Herausforderung besteht auch darin, dass die Patienten die grosse Spanne zwischen Mensch und hoch technisierter Arbeit nicht zu spüren bekommen. Die Laboreinheit stellt einen hoch technisierten Raum mit Hightech-Geräten, kontrolliertem Raumklima, Zutrittsregelungen etc. dar.

Sämtliche Geräte und Prozesse werden permanent durch ein elektronisches Alarmsystem überwacht. Bereits kleinste Abweichungen in Temperatur, pH-Wert oder Osmolarität können fatale Folgen haben. Die Laborarbeit setzt äusserste Konzentration, lange Erfahrung und eine sehr langwierige Einarbeitungsphase voraus. Hinzu kommt das ständige Bewusstsein, welche Folgen einzelne Schritte haben können. Einen zweiten Versuch gibt es nicht – jeder Schritt muss perfekt ablaufen und kann nicht wiederholt werden. So wird zum Beispiel während der ICSI ein einzelnes Spermium mit Hilfe eines Hochleistungsmikroskops in eine ultrafeine Glaspipette aufgezogen und direkt in das Zellplasma der Eizelle gebracht (Mikroinjektion). Wenn man bedenkt, dass die Samenzelle noch hundertmal kleiner ist als die 0,1 mm grosse Eizelle, kann man sich vorstellen, welche Feinarbeit dazu nötig ist, und welchen Einfluss Störungen wie z. B. winzigste Vibrationen hätten.

Eine konzentrierte und höchst präzise Arbeitsweise bei allen Arbeitsschritten zeichnet das IVF-Team ebenso aus wie eine stets individuelle, einfühlsame und sehr persönliche Betreuung unserer Patienten.

Durch die Liebe zum Detail, das harmonische Team, die gute Vernetzung und jahrelange Erfahrung gelingt es dem IVF-Team seit Jahren, den hohen Standards in der Reproduktionsmedizin gerecht zu werden, den Paaren einen vertrauensvollen und persönlichen Rahmen zu bieten und unsere Schwangerschaftsrate auf konstant hohem Niveau zu halten und weiterhin zu steigern.

Corinna Kretz, Leiterin Abteilung IVF, Lindenhofspital

In-vitro-Fertilisation «Befruchtung im Glas»

Methoden zur künstlichen Befruchtung, bei der die Eierstöcke der Frau mit Hormonen so stimuliert werden, dass eine kontrollierte Anzahl befruchtungsfähiger Eizellen in ihren Eierstöcken heranreift. Diese werden unter Lokalanästhesie entnommen. Am gleichen Tag gibt der Partner eine Spermienprobe ab, welche durch Zentrifugation optimiert wird. Anschliessend werden Eizelle und Spermium im Reagenzglas, zwecks Befruchtung, zusammengebracht. Hierzu stehen grundsätzlich zwei Methoden zur Verfügung:

1. ICSI Intracytoplasmatische Spermieninjektion
Unter einem hochauflösenden Mikroskop wird mittels einer ultrafeinen Glaskapillare ein Spermium ausgewählt und direkt in das Zellinnere einer Eizelle injiziert.

2. IVF
Bei guter Samenqualität kann auf die klassische IVF als Befruchtungsmethode zurückgegriffen werden. Eine Eizelle wird mit etwa 100’000 motilen Spermien im Reagenzglas zusammengegeben. Ein Spermium muss von selber in die Eizelle eindringen, um diese zu befruchten.

Übersicht der durchgeführten Follikelpunktionen und deren Outcome

Übersicht der durchgeführten Follikelpunktionen
und deren Outcome

Übersicht der durchgeführten Follikelpunktionen
und deren Outcome

Legende zur Grafik durchgeführten Follikelpunktionen und deren Outcome